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Gas in Autoreifen
Viele Reifenhändler bieten Ihren Kunden besondere Gasfüllungen für ihre Pneus an. Im Gegensatz zur Luft an der Tankstelle ist diese Füllung nicht kostenlos, soll aber aufgrund besserer physikalischer Eigenschaften den Reifendruck länger halten als normal.
In der Vergangenheit wurde meist ein teures Gas mit der Bezeichnung SF6 verwendet, was sich aber aufgrund des recht hohen Preises nicht gut verkauft hat. Zudem schädigte es die Ozonschicht. Deswegen wird den Kunden heute oft eine Reifenfüllung aus reinem Stickstoff angeboten. Dabei heben die Reifenhändler gerne hervor, dass die Moleküle des Stickstoffs nicht so schnell durch die Reifenhülle diffundieren wie Sauerstoff. Was in der Theorie korrekt sein mag, ist in der Praxis aber von sehr geringer Bedeutung, da die Luft in der Atmosphäre bereits zu 79% aus Stickstoff besteht. Der zu erzielende Effekt bei einer Reifenfüllung ist demnach nur schwer nachzuweisen.
Das Argument, dass der Reifendruck länger stabil bleiben soll, ist ebenfalls umstritten. Selbst wenn das der Fall ist, sollte jeder verantwortungsvolle Fahrzeugführer den Luftdruck regelmäßig kontrollieren. Der Aufwand einer Reifendruckkontrolle ist aber nur unerheblich größer, wenn man auch tatsächlich Luft ergänzen muss.
Die Arbeitsersparnis hat der Verbraucher also nur dann, wenn der Druck nicht regelmäßig kontrolliert wird, was allerdings nicht empfohlen werden kann. Ausgenommen sind eventuell eingebaute elektronische Drucksensoren am Fahrzeug, aber auch hier empfiehlt sich gelegentlich eine manuelle Kontrolle. Es hat sich sogar ein gegenteiliger Effekt gezeigt: Manche Autofahrer, die Reifen mit Stickstoffbefüllung fahren, scheuen sich davor, bei einer Druckkontrolle Luft nachzupumpen, da sie befürchten, den Effekt der Spezialbefüllung damit zunichte zu machen. Die Gefahr, dass diese Fahrer dann letztlich mit zuwenig Reifendruck unterwegs sind, ist nicht unerheblich.
Reifenhändler begründen ihre Empfehlung für Reifengas auch mit der Verwendung im Hi-Tech-Bereich wie bei Flugzeugen oder in der Formel 1. Bei beiden ist der Grund für eine Stickstoffbefüllung der Brandschutz.
Da bei normalen PKW die Belastungen und Temperaturen nicht mit diesen Anwendungen vergleichbar sind, erscheint es fraglich, wie praxisrelevant dieses Argument ist.
Auch Komfortargumente konnten bisher nicht von unabhängiger Stelle bestätigt werden. Weder Abrollgeräusche noch Federungseigenschaften unterscheiden sich nennenswert von einer normalen Luftbefüllung.
Auch damit in Verbindung gebrachte Spareffekte sind eher darauf zurückzuführen, dass viele Autofahrer zuvor mit einem zu niedrigen Reifendruck gefahren sind.
Abenteuerlich wird es, wenn darauf hingewiesen wird, dass die Stickstoffbefüllung frei von Öl- und Wasserrückständen sei, was sich positiv auf die Haltbarkeit von Reifen und Ventilen auswirken soll.
Dies würde im Umkehrschluss bedeuten, dass die von den gleichen Reifenhändlern verwendeten Druckluftanlagen diese Verunreinigungen aufweisen müssten. Solche Rückstände sollten sich aber auch dort in keinem Fall finden.
Insgesamt finden sich keine stichhaltigen Gründe für eine Befüllung mit Reifengas. Da Stickstoff aber auch keine Schäden anrichtet, kann er bedenkenlos verwendet werden. Der einzige Schaden ist finanzieller Natur, solange normale Druckluft kostenlos bleibt.
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